Entschleunigung beim Bäderkonzept

Die letzte Ratssitzung des Jahres liegt hinter uns. Ich hatte ehrlich gesagt befürchtet, dass es hitzig wird. Weniger wegen des Haushaltes, als viel mehr wegen des Bäderkonzeptes. Hier stand ein Antrag der SPD gegen einen Antrag der CDU. Oder anders: Caubstraße gegen Zentralbad und Sportparadies. Und alles hatte mit einem GRÜNEN Antrag angefangen. Aber dazu später mehr.

Das Schöne ist, dass wir am Ende ein einstimmiges Ergebnis hatten. Zugegeben: Die Entscheidung ist eher aufgeschoben als wirklich bereinigt, aber vielleicht tut diese Entschleunigung sehr gut. Von daher war der Redebeitrag von Frank Baranowski und sein Appell für eine sachliche Debatte sicher hilfreich. Man kann jetzt darüber streiten, ob seine Ausführungen zu Kosten danach nicht am Ende die Förderung des Caubstraßen-Modells war und damit weniger sachlich, als es aussehen sollte, aber ich werde jetzt kein Haar in der Suppe suchen. Begleitet wurde dieser Aufruf von einem Antrag der Verwaltung, der schließlich die Einstimmigkeit herbei brachte.

Entschieden ist damit nichts, aber es wurde ein Weg vorbereitet. Der Antrag war nämlich nur ein Verfahrensweg. Die Stadtwerke sollen alle Varianten ergebnisoffen prüfen. Erweitert wird dies um die Beschreibung des Weges zu einem Ratsbürgerentscheid, um die Entscheidung gegebenenfalls an die BürgerInnen weiter zu geben, sollte es keine Einigung im Rat geben. Wer es genauer nachlesen will, findet hier den von uns geänderten Antrag, der von der SPD noch minimal modifiziert wurde.

Man kann durchaus sagen, dass dies ein Erfolg ist, gerade auch von den Bürgerinnen und Bürgern, die spontan und schnell agiert haben. Vor einer Woche stand nur der SPD Antrag im Raum und dieser hätte die Festlegung auf das Konzept Schalker Meile bedeutet. Der Fraktionsvorsitzender Haertel hat zwar regelmäßig betont, es wäre nur eine Prüfung, aber die Formulierung war schon sehr eindeutig:

Der Rat der Stadt Gelsenkirchen beauftragt die Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Gelsenkirchen GmbH ein Konzept zu erarbeiten, um im Stadtteil Schalke-Nord einen „Sportpark Schalker Meile“ realisieren zu können. Er erwartet für die Februar-Sitzung zumindest einen Zwischenbericht über mögliche Realisierungschancen.

Prüfung sieht anders aus. Und ein SPD Antrag ist nunmal in dieser Stadt einem Beschluss gleichzusetzen. Von daher ist der Verwaltung für den Antrag wirklich zu danken. Er entspricht zwar grob in gekürzter Form dem der GRÜNEN, aber es ist ein wichtiger Schritt um nicht jetzt noch schnell Fakten zu schaffen.

Von daher freue ich mich über die Entscheidung. Aber machen wir uns nichts vor. Wenn nicht große neue Fakten kommen und diese stichfest sind, wird die Diskussion zwischen Drei- und Vier-Bäder-Lösung dann eben im Februar oder den folgenden Monaten kommen.

Es ist auch gut, dass der Ratsbürgerentscheid weiter aufgenommen ist. Er gibt bei einem strittigen Thema den BürgerInnen die Möglichkeit die Entscheidung zu fällen. Ob man diesen durchbekommt, ist dann eine andere Frage. Es muss einen 2/3 Beschluss dafür geben. Warten wir mal ob, ob er notwendig wird.

Erschreckend ist aber in dem Zusammenhang noch die Rede des Ex-Piraten, der ein solches Verfahren für zu komplex hielt. Nur mal auf den Punkt gebracht: In Baden-Württemberg konnte man über ein Milliardenprojekt wie Stuttgart 21 abstimmen, aber in Gelsenkirchen soll es zu schwer sein, über Schwimmbäder zu entscheiden? Mal abgesehen davon finde ich es vermessen, anzunehmen, dass die 66 Stadtverordneten eine bessere Entscheidung fällen, als es die Bürgerinnen und Bürger können. Und das meine ich ganz ausdrücklich in beide Richtungen.

Ich gebe mir darum auch keine Illusionen hin: Die SPD hat seine Rede gegen Bürgerbeteiligung stark applaudiert und wird sich „Argumente“ daraus fischen, um dagegen zu stimmen. Und wie gesagt: Ich glaube es wird am Ende noch immer um die Frage gehen, ob es drei oder vier Bäder in Gelsenkirchen geben soll. Und die Diskussion wird dann wahrscheinlich ähnlich hitzig.

Aber werden im nächsten Jahr sehen, wie es ausgeht. Auf jeden Fall ist man einen Schritt weiter und die letzte Sitzung im Jahr war dann doch etwas besinnlicher, als man es vielleicht letzte Woche noch gedacht hat.

Bürgerhaushalt: Radwegenetz

Gestern war ein langer Tag, darum erst um kurz nach Mitternacht der Vorschlag des Tages zum Bürgerhaushalt:

Es fehlt in Gelsenkirchen eine wirkliche und annehmbare Radfahrverbindung von Nord (Buer) nach Süd (Gelsenkirchen).

Klar, dass einem GRÜNEN dieser Vorschlag gefällt, beschreibt er doch eins der Grundprobleme der Stadt. Auch die deutliche Zustimmung im Vergleich zu anderen Projekten zeigt die Dringlichkeit.

In den Kommentaren gibt es auch bereits einige interessante Ideen:

Eine neue Tramtrasse durch die Willy-Brandt-Allee. Anbindung der Veltins-Arena durch den Stadtbahntunnel. Die Tramtrasse der 302 könnte zu einer Radtrasse umgebaut werden. Gleiches gilt auch für bestehende und ehemalige ÖPNV-Trassen z. B. auf der Ringstrasse oder auf der De-la-Chevallerie-Str. Der Busverkehr müsste an den Fahrbahnrand verlegt werden (eigene Busspur im Citybereich) [Bahnschalker]

und

Der Vorschlag setzt richtig bei der Nord-Süd-Verbindung an und sollte weiter konkretisiert werden. Ganz wichtig wäre z.B. eine sichere Radverbindung für die Schülerscharen, die allmorgendlich aus Ückendorf zur Innenstadt bzw. aus der Innenstadt zur Gesamtschule Ückendorf fahren. Mein Vorschlag: Die Bochumer Straße wird für Autos zur einspurigen Einbahnstraße, der so eingesparte Platz wird für einen Radweg in beiden Richtungen verwendet. Im Bahnhof sollte der rechte (östliche) Durchgang für Fahrradfahrer geöffnet werden, so dass eine Verbindung zur Ringstraße möglich wird. [PaulHumann]

Ob so umsetzbar ist unklar, aber der Weg nach Norden ist wirklich nur über Umwege sicher mit dem Rad zurück zu legen. Gerade zur Ringstraße und Kurt-Schumacher-Straße (Schalker Meile) gibt es auch noch spezielle Vorschläge. Ich werde diese verlinken, wenn ich darüber stolpere.

Kurt-Schumacher Straße Update

Wieder ein kurzes Update zur Kurt-Schumacher Straße, denn heute wurde in der WAZ ausführlich über die Umstrukturierung dort berichtet: Nadelöhr in Gelsenkirchen weitet sich durch moderne Verkehrssteuerung.

Zur Verbesserung der Feinstaub- und Lärmbelastung sind folgende Punkte angesprochen:

  • „Grüne Welle“ durch verbesserte Ampelsteuerung
  • ÖPNV Beschleunigung durch Kontaktschleifen
  • Abbiegeverbot auf die Hubertusstraße, wenn man aus südlicher Richtung kommt
  • Zudem werden nun Warnschilder an der Uferstraße und der Florastraße aufgestellt, die auf Tempo 50 nochmal zusätzlich hinweisen.
  • An der Uferstraße werden für die Ausweichroute Richtung Zentrum auch „mobile und reflektierende Leitschwellen“ eingerichtet, um Spurwechsel zu verhindern.

Ergebnisse dieser Maßnahmen werden nicht vor dem Sommer erwartet. Problemstelle bleibt, wie auf Twitter richtig bemerkt, aber auch noch etwas ganz anderes:

Hier eine Lösung zu finden ist angesichts der Engstelle wirklich nicht ganz einfach, aber auch für mich ist dies eines der größten Lücken im gelsenkirchener Radfahrnetz. Für Schutzstreifen ist die Straße aber doch zu befahren und für einen Radweg der Bürgersteig wahrscheinlich zu eng.

Schalker Meile mit dem Rad

Ich habe ein neues Fahrrad und das wurde in den letzten Tagen auch ausgiebig getestet. Gestern Abend ging es dabei bis nach Sutum und natürlich stand die Frage im Raum: Wie kommt man da aus der Altstadt am besten hin? Ich habe mich schließlich – auch aus Zeitgründen – für den direkten Weg über die Kurt-Schumacher Straße entschieden. Und ab der A42 ist das auch Richtung Norden kein Problem und bis zur Berliner Brücke kann man ja über Parallelstraßen auch gemütlich fahren. Aber die Schalker Meile ist meines Erachtens die größte Baustelle im Radwegenetz, da es keine wirklich gute Ausweichroute gibt. Ich hatte gestern Abend ja noch Glück, weil es schön leer war auf dem Stück, aber um diese Uhrzeit dort mit dem Fahrrad zu fahren ist für den Radfahrer sicher lebensgefährlich und für Autofahrer ja auch nur nervig. Ob der Umweg über Hornbach eine vernünftiger Ausweichweg ist, habe ich gestern jetzt aber auch nicht getestet. Die Notwendigkeit bestand ja nicht.

Ehrlich gesagt fehlt aber auch die einfache Lösung für diese Lücke. Die Bürgersteige sind knapp bemessen, die Straße zentral für das Verkehrsnetz in Gelsenkirchen und zudem noch mit der Straßenbahn in der Mitte macht es schwierig.

Habt ihr Ideen, wie man dort Abhilfe schaffen kann? Oder gute Ausweichwege, die nicht gleich Grothusstraße oder Bismarck bedeuten? Wo seht ihr noch große Baustellen im Radewegenetz? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. (Nicht nur im Bezirk Gelsenkirchen-Mitte :D)

Im übrigen: Wie es der Zufall so will, gab es heute bei Sarah Burrini’s „Das Leben ist kein Ponyhof“ ein Bild zu genau diesem Thema. (CC by-nc-nd Lizenz)

Mit dem Fahrrad durch die Großstadt

Mit dem Fahrrad durch die Großstadt (CC-by-nc-nd Lizenz von Sarah Burrini)