Norderweiterung für nichts

Norderweiterung für nichts

Vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass bei BP wieder über 270 Stellen abgebaut werden. Hier die Berichte aus der WAZ und von Radio Emscher Lippe.

Bei allem Schmerz und allem Bedauern für die Verluste wurde mir aber auch nochmal deutlich, dass Politik sich nicht treiben lassen darf von bestimmten Versprechungen und den großen Arbeitsplätzen – insbesondere nicht, wenn alles noch ganz vage und unklar ist.

Vor vielen Jahren wurde mit BP die Norderweiterung der Raffinerien besprochen und schließlich große Flächen dafür zur Verfügung stellt. Zur meiner und der GRÜNEN Kritik hatte ich 2007 noch im alten Blog einen Artikel geschrieben. Angefangen hatte diese Änderung der Baumöglichkeiten mit Versprechen für viele neue Arbeitsplätze. Als die Entscheidung schließlich anstand, ging es dann sogar schon nur noch um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Und inzwischen weiß man: Gebracht hat es nicht, man hat nur Gelände bereit gestellt und potentielle Umweltzerstörung geduldet, um jetzt – zum vielleicht1 zweiten Mal – Arbeitsplätze zu verlieren.

Gelsenkirchen braucht Arbeitsplätze. Aber wir brauchen zukunftssichere und gute Arbeitsplätze, die auch ihre Zeit halten. Sich auf alten Technologien auszuruhen klappt nicht mehr. Und um nicht falsch verstanden zu werden: Ich rede nicht von einem Zwang zu „grüner“ Wirtschaft und einer Neuauflage einer Solarstadt Gelsenkirchen. Auch der Logistikbereich ist nun – zumindest wenn es um LKWs geht – nicht dass, was man als „klassisch grün“ bezeichnen würde. Aber eine durchaus wichtigere Branche und beispielsweise auf dem Schalker Verein gelingt ja sogar die Verknüpfung vom LKW zur Bahn ganz gut.

Ich finde jedenfalls es gehört nun dazu, Versprechen und Aussagen von Wirtschaftsvertretern zweimal zu hinterfragen, bevor man ihnen hechelnd hinterher läuft. Bei aller Problematik bringen uns am Ende irgendwelche Industrieruinen auch nichts.

  1. Habe leider nicht auf den Schirm, ob sich an dem Abbau was getan hatte []
BP, MR:comp, Einzelhandel und mehr – 10. Sitzung des WBT

BP, MR:comp, Einzelhandel und mehr – 10. Sitzung des WBT

Heute tagte der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Beschäftigungsförderung und Tourismus zum 10. Mal. Es standen nur Berichtspunkte auf der Tagesordnung, die ich hier kurz durchgehen werde:

BP

Zum drohenden Arbeitsplatzverlust bei BP wurde berichtet, dass es sich um 270 bis 307 Arbeitsplätze handelt, die durch personelle Umorganisation entstehen. Dies soll ohne Kündigungen bis 2020 geschehen und konkret durch demographischen Wandel, Outsourcing und Aufhebungsverträge erreicht werden. Es entstehen allerdings auch 20 Ingenieur-Arbeitsplätze. Änderungen in der Produktion sind nicht bekannt.

MR:comp

Nachdem in einem Zeitungsartikel zum Umzug der Firma MR:comp von Gelsenkirchen nach Bottrop angemerkt wurde, dass den Inhabern eine „eine von anderen Städten nicht gewohnte Arroganz von Seiten der Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung entgegengebracht“ worden wäre, rückte Stadtrat Dr. Schmitt dies aus seiner Sicht etwas zurecht. Man habe der Firma viele Standorte gezeigt und sogar eine Lösung angeboten, bei der die Stadt Flächen zusätzlich gekauft und vorgehalten hätte. Es war sogar noch ein weiterer Termin vorgesehen worden, der nach dem Zeitpunkt des Zeitungsartikels vorlag, um über die Verlagerung innerhalb von Gelsenkirchens zu sprechen. Der Kontakt sei abgebrochen, aber die Bereitschaft weiterhin vorhanden, hier eine Lösung in der Stadt zu finden.

Einzelhandel

Aufgrund der Berichterstattung zu SinnLeffers und Schlatholt in Buer (siehe hier Seite 42/43) kam es zu einem kurzen Einzelhandelsbericht. Bei erstem gäbe es Gespräche zwischen SinnLeffers und dem Vermieter. Bei zweitem läuft momentan ein sogenanntes Schutzschirmverfahren, aber es sieht wohl ganz gut aus. Generell soll die Marke Buer gestärkt werden.

Jahresbericht

Sehr interessant auch der Jahresbericht, der vorgestellt wurde und ein Schlaglicht auf die Entwicklung in Gelsenkirchen wirft. Wer mag, kann sich ein Exemplar bei mir angucken / kopieren, aber ich denke dies wird es in Kürze auch an anderen Stellen geben.

Kleinkram

Das XIAO im Arena Park soll noch vor Ostern öffnen. Die Parkplatzsituation wird von der Verwaltung geprüft und man überlegt den nördlich vom Kino gelegenen Parkplatz ebenso wie den Stellplatz des Trödelmarktes einzubinden.

Beim Gewerbepark A42 scheinen die rechtlichen Bedingungen für den Kauf durch log.IQ bzw. Blackstone abgeschlossen zu sein.

Eiswaffeln aus Gelsenkirchen

Eiswaffeln aus Gelsenkirchen

Wer hätte es gedacht: 40 Prozent aller Eiswaffeln in Deutschland kommen aus Gelsenkirchen. Und für die Schweden sähe es ohne uns noch trauriger aus: 65 Prozent aller Eisbestellungen im Hörnchen tragen eine „Gelsenkirchener Waffel“ darunter. Naja, wer weiß, wie viel die Schweden an Eis verdrücken, aber die Zahl zeigt nur eins der vielen Beispiele, die die Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung in den Mittelpunkt ihrer neuen Kampagne „Mit uns wirds was“ gesetzt hat. Weiterhin könnt ihr durch Lichtwerbung von Klostermann rund 1/3 aller Tankstellen in Deutschland finden oder Cryptovision sorgt für neue sichere Personalausweise in Nigeria. Um die Werbung dann auch komplett zu machen, kommen die Eiswaffeln von Oexmann. Viele weitere Firmenerfolge tauchen in den nächsten Wochen durch die Imagekampagne sicherlich auch in Gelsenkirchen auf.

imagekampagne-der-wirtschaftsfrderung-gelsenkirchen-mitunswirdswas_21121231465_oAls gestern die neue Kampagne vorgestellt wurde, kamen Erinnerungen an Geschichten auf, als Gelsenkirchen nicht nur die Stadt der Tausend Feuer war, sondern auch jedex Xte Glas aus Gelsenkirchen kam. Nicht, dass ich mir den Kohlestaub zurück wünschen würde, aber auch wenn ich gerne in Gelsenkirchen lebe und diese Stadt mag, ist es doch eine Imagefrage, was und wie Gelsenkirchen sich verkauft. Was auf den ersten Blick nach außen wirkt ist Schalke und vielleicht noch die Zoom Erlebniswelt und das Musiktheater.

Nun kommen vielleicht andere Geschichten dazu: Einige Beispiele habe ich ja schon genannt und es sind Geschichten, die man mitnehmen kann und wenn mal wieder die Frage aufkommt was Gelsenkirchen besonders mache, kann man neben dem Zoo vielleicht erwähnen, dass aus Gelsenkirchen Teile für Transformatoren kommen, ohne die halb Deutschland ohne Strom dar stehen würde (ThyssenKrupp).

Nach innen vermittelt die Kampagne damit vielleicht ein neues Gefühl von „Wichtig-Sein“ zu geben und den Eindruck einer Stadt im Niedergang1 lozuwerden. Nach außen – und dahin ist die Kampagne mit Anzeigen in Zeitungen ((zum ersten Mal am Dienstag im Handelsblatt)) , Großflächen und Internetportalen auch gerichtet – zeigt sie aber auch, dass diese Erfolge von 14 Unternehmen in Gelsenkirchen realisiert wurden und man vielleicht einen zweiten Blick auf diese Stadt werfen sollte, anstatt nach Essen, Bochum oder Dortmund zu schielen, wenn es ins Ruhrgebiet gehen soll.

Und ohne konkrete Zahlen zu kennen, zeigt die Kampagne auch eine Form der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft, sie ist nämlich eine klare Win-Win Situation: Die Stadt bekommt Repräsentanten nach außen und Beispiele, die sie vermarkten kann (und eine Co-Finanzierung der Kampagne) und die Unternehmen bekommen auch nochmal eine Möglichkeit auf sich Aufmerksam zu machen. Wichtig wird sicher sein, auch immer wieder neue Geschichten zu finden und zu erzählen und das nicht zu einer einmaligen Aktion werden zu lassen – wenn auch dann vielleicht auf etwas kleinerer Flamme. Ich hatte zum Beispiel erst vor einiger Zeit erfahren, dass auch Roller ein ur-gelsenkirchener Unternehmen ist.

Ich bin gespannt, was noch kommt und wie die Kampagne läuft. Ich wünsche ihr jedenfalls, dass es auch mit ihr etwas wird. In dem Sinne:

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  1. zugegeben: etwas dramatisiert 😀 []
Kleinspielfelder als Hauptthema (BV 7/1420 3.6.2015)

Kleinspielfelder als Hauptthema (BV 7/1420 3.6.2015)

[message type=“warning“]Der Artikel lag seit Anfang Juni als Entwurf in der Datenbank und war im Juni-Stress untergegangen. Die letzten beiden Punkte sind darum erst jetzt Ende Juli hinzugefügt, aber insbesondere den Punkt zu den Kleinspielfeldern wollte ich nicht untergehen lassen.[/message]

Am letzten Mittwoch war wieder Bezirksvertretung. Die Sitzung ging extrem schnell vorbei. Die Tagesordnung findet ihr im Ratsinformationssystem.

Kleinspielfelder

Ein Hauptpunkt für mich war die Frage der Kleinspielfelder. In jedem Bezirk soll für 150.000 Euro ein Kleinspielfeld mit Kunstrasen erstellt werden. Plötzlich vor der Kommunalwahl hatte man das Geld dafür gefunden und dieses Jahr ging es weiter. In der Sitzung lag also eine Vorlage der Verwaltung vor, nach der für jeden Bezirk wieder ein Platz erstellt werden soll. Dabei gibt es aber zwei Probleme:

1. Innere Logik

Wenn man die Verwaltungsvorlage und die jeweiligen Daten wirklich ernst nimmt, kann schon in diesem Jahr nicht jeder Bezirk einen Platz bekommen:

kleinspielfelder

Wie man , hier der Bezirksverteilung wegen der Bezirk Ost im Emscherbruch einen Platz mit 22 Punkten, obwohl die Baulandstraße im Bezirk Nord mit 26 Punkten besser geeignet oder höher bewertet ist.

Nicht, dass ich jemandem das nicht gönne und für den Bezirk Mitte kommt das auf das Gleiche raus, aber generell finde ich es am sinnvollsten das Geld da einzusetzen, wo es am nötigsten benötigt wird. Aber dazu gleich noch mehr.

Es gibt nämlich noch ein Problem: Die Bezirke entscheiden. In West wurde dann aus dem nach der Stadt logischen Punkt „Auf dem Schollbruch“ dann die Gecksheide genommen. Anstatt dem Platz mit 29 Punkten wurde einer mit 15 gewählt. Hier der Bericht dazu. Und das verfahren kann taktisch recht gut sein, denn es gibt noch…

2. Sportentwicklungsplan

Nicht zuletzt auf GRÜNES Betreiben wurde ein Sportentwicklungsplan für Gelsenkirchen initiiert. Ziel ist es mit einem externem Gutachter festzustellen für welche Sportart wo welches Angebot fehlt. Hierzu werden auch 30.000 Euro in den Haushalt eingestellt.

Diese Investition führte dann in meinem Redebeitrag auch zu dem in der WAZ zitierten  „unsachgemäßen Umgang mit städtischen Geldern“.

Ich finde es einfach merkwürdig, wenn man ein solches Gutachten in Auftrag gibt, was mit 30.000 Euro noch sehr günstig ist und dann unabhängig davon mal eben 750.000 Euro in der Stadt ausgibt nach Kriterien die unklar sind oder in Bezirken offen angezweifelt werden.

Am Ende führte dann beides dazu, dass ich mich enthalten habe. Grundsätzlich finde ich die Maßnahme ja richtig und habe dann die Zahlen der Stadt einfach für richtig gehalten. Nur der Verfahren fand und finde ich einfach falsch. In anderen Bezirken und im Sportausschuss haben GRÜNE im übrigen aus dem Grund auch dagegen gestimmt. Die CDU ist hier übrigens auch kritisch und hat dem Projekt bisher auch nicht zugestimmt.

Einzelhandelskonzept

Das Einzelhandelskonzept der Stadt ist besprochen worden. Ich werde dem wahrscheinlich noch einen besonderen Artikel widmen, aber soviel sei gesagt: Ich sehe keine kritischen Punkte in dem Papier und habe dementsprechend zugestimmt.

Spielplätze

Die Bezirke bekommen pro Jahr ein Budget, um Spielplätze vor Ort komplett zu überarbeiten. Es handelt sich nicht um Ersatzbeschaffungen oder Instandhaltungen, sondern um klare Neugestaltungen. In der Verwaltungsvorlage wurden drei Spielplätze vorgestellt und derjenige an der Evastraße / Adamshof vorgeschlagen. Im Bezirk kam etwas Verwunderung auf, weil der Spielplatz Griseplatz doch mehr Kinder im Einzugsgebiet habe. Nach einiger Diskussion wurde der Vorschlag auch einstimmig abgeändert.

Anfragen

Ich habe Anfragen zu den archäologischen Ausgrabungen, Fahrradständern am Bahnhof und dem Leitsystem am Bahnhof gestellt. Diese sind im Anfragensystem hinterlegt.

Pressemitteilung zum Einzelhandel in der Innenstadt und der City

Im September hatte ich über das Gutachten zur Entwicklung in der Innenstadt berichtet, da es im Ausschuss für Wirtschaftsförderung (…) vorgestellt wurde. Gleich habe ich es noch in der Bezirksvertretung, da die Verwaltung damit beauftragt werden soll, hieraus Strategien zur Entwicklung in der Innenstadt zu entwickeln.

Ich habe dazu gestern noch eine Pressemitteilung herausgegeben, die ihr hier auf der Homepage der GRÜNEN nachlesen könnt. Zum einen geht es dabei um die Ablehnung von größeren Planungen auf dem Gelände der Hauptpost – die für die Bahnhofstraße einen Todesstoß bedeuten würden (und darum von der Stadt auch nicht verfolgt werden). Zum anderen um die Hauptstraße, die meines Erachtens nun in den besonderen Fokus rücken muss. Hier im übrigen der in der Zeitung erschienene Artikel.

IKEA Entscheidung im Dezember?

IKEA Entscheidung im Dezember?

Es gibt neues in Sachen IKEA. Nach einem Bericht der Dattelner Morgenpost steht neben den bekannten Standorten und der Umsiedlung in Essen auch an einem weiteren Standort ein Neubau an. Im Rennen sind nach dem Bericht Castrop-Rauxel, Herne, Bottrop oder eben Gelsenkirchen.

Die besten Aussichten habe Castrop Rauxel, Herne habe sich nicht wirklich bemüht und zu Gelsenkirchen heißt es:

In Gelsenkirchen war das Gelände des so genannten Gewerbeparks im Gespräch. Für das als Industriefläche ausgewiesene Gelände gibt es nach Angaben von Sprecher Martin Schulmann aber auch Anfragen seitens der Industrie. „Wir haben hier konkurrierende Angebote.“ Auch käme auf die Stadt eine Rückzahlung von EU-Mitteln in Millionenhöhe zu und der Bebauungsplan müsste für den Bau eines Ikea-Möbelhauses geändert werden. „Das Gelände wurde mit EU-Mitteln als Industriefläche aufgearbeitet“, erklärt der Stadt-Sprecher. Daher sei Ikea eine andere Fläche im Süden der Stadt mit Anbindung an die A 40 angeboten worden – „die war dann aber nicht gefragt“, erklärte Stadtsprecher Schulmann weiter.

Man kann also davon ausgehen, dass Gelsenkirchen nicht als Standort gewählt wird. Ob man dies der Stadt nun vorwerfen will, wage ich trotz entsprechender Äußerungen in den sozialen Netzwerken zu bezweifeln. Wenn man Gelder bekommen hat, um ein Gelände für die Industrie umzubauen wirkt das Problem noch größer als die Pläne zur Entwicklung der Innenstädte. Wir reden von Millionen, die zurück gezahlt werden müssen. Die müssen sich langfristig erstmal wieder einspielen. Die Entscheidung fällt dazu bereits im Dezember.

Interessant noch die Aussagen der Sprecherin von IKEA ganz am Ende:

[Demnach] profitiert eine Kommune bei einer Ikea-Ansiedlung von „Gewerbesteuereinnahmen in siebenstelliger Höhe“. Zudem schaffe der Konzern mit jedem Einrichtungshaus 150 bis 200 neue Arbeitsplätze, jeweils zur Hälfte für Voll- und Teilzeitkräfte – „fest angestellt und sozialversichert“.

Aber auch hier gilt es sicherlich vorsichtig zu sein, wieviel von den Aussagen stimmt. Eine solche Aussage ist natürlich auch gut geeignet politische Stimmung zu erzeugen. Aber selbst wenn es stimmt, kann man die Folgen für den Einzelhandel und vor allem die Förderproblematik nicht einfach vom Tisch wischen.

Sparkassenakademie: Schlechte Gerüchte

Gelsenkirchen hatte sich ja für den Sitz der Sparkassenakademie beworben – 21.000 Menschen sollen dort pro Jahr ausgebildet werden. Bei meinem Bericht zum Wirtschaftsausschuss hatte ich ja schon darüber berichtet. Heute berichtet die WAZ, dass es um diese Bewerbung nicht sonderlich gut aussieht: Unter den ersten 6 Standorten sei man einer ominösen Liste nach jedenfalls nicht. Ob es stimmt, mag niemand offiziell kommentieren, aber eine solche Ansiedlung wäre sicherlich ein Gewinn für die Stadt. Von daher kann kann man ein Herangehen nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ nur verstehen…

Bahnhofstraße, Sparkassenakademie und nicht viel mehr (WBT 1.Sitzung, 04.09.2014)

Bahnhofstraße, Sparkassenakademie und nicht viel mehr (WBT 1.Sitzung, 04.09.2014)

Wie schon gesagt hatte ich gestern meine erste Sitzung vom Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Beschäftigungsförderung und Tourismus. Neben einigen formalen Dingen stand nicht so viel auf der Tagesordnung. Ein Sachstandsbericht zur Situation eines Grundstückes an der Ringstraße/Ecke Weberstraße wurde auf die nächste Sitzung verschoben, der Bericht zu Heßler etwas kürzer. Vielleicht reiche ich dazu seperat nochmal etwas nach, das Thema bleibt jedenfalls aktuell.

Bahnhofstraße

Der Bericht zur Entwicklung des Einzelhandels auf der Bahnhofstraße war durchaus positiv. Leerstände sind hier eher selten und nur vorübergehend. Zu einigen Projekten, die momentan laufen wurde auch schon berichtet, aber das würde vielleicht den Rahmen sprengen. Wer konkreter etwas zu einem bestimmten Auszug oder Leerstand wissen will, kann sich in den Kommentaren ja melden und ich kann gucken, ob dazu was gesagt wurde.

Generell empfinde ich die Situation in der Bahnhofstraße auch als eine Verbesserung, wenn man noch überlegt, dass die Innenstadt mal eine „Meile der 1-Euro-Läden“ war. Ob das für jeden jetzt schon ein Endzustand ist, kann man bezweifeln. Aber ich denke die Bahnhofstraße wird von der Tendenz her wieder attraktiver und kann damit vielleicht auch wieder mehr Menschen anlocken. Oder was ist euer Eindruck?

Etwas anders sieht es für mich bei der Hauptstraße aus. Spätestens mit dem Umzug von REWE auf den Margarethe-Zingler-Platz ist es für die Straße schwer geworden, den Leerstand zu bekämpfen, denn Leerstand nebenan macht den eigenen Laden auch unattraktiver. Darum hatte ich vor der Sitzung bereits hierzu eine Anfrage1 vorbereitet und werde für die nächste Sitzung einen entsprechenden Tagesordnungspunkt beantragen.

Wobei sich dies vielleicht erübrigt, denn es gibt von der Wirtschaftsförderung offenbar ein Gutachten zur Entwicklung der City, was in der nächsten Sitzung vorgestellt werden soll.

Sparkassenakademie und Arena-Park

Die weiteren regulären Tagesordnungspunkte waren dann nicht so spannend, nur bei den Bericht der Wirtschaftsförderung wurde nochmal auf die Bewerbung der Stadt um den Standort für die Sparkassenakademie hingewiesen. Ca. 22.000 Lehrnende kommen jährlich dorthin, 80 Mitarbeiter sind dort gefragt. Damit wäre dieses Projekt für die Stadt sicherlich ein großer Gewinn. Entscheidung über den Zuschlag – immerhin erhoffen sich viele andere Städte ja auch den Standort – soll spätestens bis Ende des Jahres fallen. Bilder und mehr gibt es in einer Broschüre – zur Ansicht im GRÜNEN Zentrum oder sicherlich auch bei der Wirtschaftsförderung der Stadt.

Wo man gerade beim Arena Park Gelände ist nur kurz der Hinweis, dass am Kino noch ein chinesisches Restaurant XIAO aufmachen wird.

Anfragen

Weitere Themen im öffentlichen Teil der Sitzung gab es nicht. Ich habe noch drei weitere Anfragen gestellt im Bereich Tourismus: Zum einen zum „Urlaub in deiner Stadt“, zur Verlegung der Stadt. und Touristinfo ins HSH (und damit die Entfernung vom Hbf) und zu Bundle-Angeboten oder besonderen Angeboten bei Fußballspielen.

Alle Anfragen können hier als PDF Datei heruntergeladen werden.
Die Originaltagesordnung findet man hier im Ratsinformationssystem der Stadt. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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Bürgerversammlung Heßler

Bürgerversammlung Heßler

Am Montag Abend hatten wir eine Bürgerversammlung zur Lebensmittelversorgung in Heßler durchgeführt. Bekanntlich hatte der Betreiber des Edeka Marktes angekündigt, seinen Laden Ende April nächsten Jahres zu schließen. Der Raum in der Heßler Stube war proppevoll und entsprechend viele Emotionen waren im Raum.

Dabei gingen verschiedene Problemlagen und Analysen durcheinander.

Problemfeld 1: Was kommt?

Neben der konkreten Frage, wie es nach dem Schließen von Edeka weitergeht, ging es aber auch um eine inhaltliche Frage:

Anders ausgedrückt: Edeka (oder theoretisch auch Rewe) sind qualitativ hochwertiger, als Discounter oder viele andere Läden, die nun theoretisch denkbar wären für diesen Standort. Neben der Gefahr, dass dort nichts mehr hinkommt, sorgen sich viele Bürgerinnen und Bürger auch über die Qualität des Standortes.

Aber klar, ging es auch darum, was nach dem 30.04.2015 passiert. Konkrete Aussagen konnte der Vertreter der Stadt nicht machen, abseits der schon bekannten Information aus der Presseinformation:

Hierzu hat bereits Anfang Oktober 2013 eine Ortsbegehung sowie ein erstes Gespräch mit dem Betreiber eines Vollsortimenter-Kleinflächen-Konzepts stattgefunden. Der Standort ist bei dem potenziellen Betreiber auf Interesse gestoßen.

Mehr war auch nicht zu erwarten. Eine Woche nach der Ankündigung der Schließung wird es kaum einen Mietvertrag geben. Aber natürlich ist und bleib dies die Kernfrage, die angesichts der folgenden Problemfelder nicht leicht zu beantworten ist.

Problemfeld 2: Mangelnder Platz

Bei der Veranstaltung aber insbesondere im Gespräch nach der Sitzung mit dem Betreiber Zierles wurde die Problematik von den Platzverhältnissen nochmal deutlicher.

Aktuell stehen dem Laden in etwa 500m² zur Verfügung. Bei der großen Sportplatzlösung wären es 2.000-2.500m² geworden. Dies zeigt die Spannweite zwischen dem Status-quo und den Wünschen des Betreibers.

Im Gespräch wurde deutlich, dass es für einen Vollsortimenter eben schwierig ist – insbesondere auch was die Bestückung in den Regalen angeht – auf einem kleinen Laden enormen Aufwand verursacht. Edeka würde unter 1.500 m² nicht mehr bauen.

Das Problem ist: Woher soll man diesen Platz nehmen, wenn nicht stehlen? Aber genau darum dreht es sich bei allen Optionen, die diesen Laden erweitern.

Bei der „Sportplatzlösung“ wäre der Platz für einen neuen Einkaufsladen vom örtlichen Sportangebot genommen worden. Ein Bürger aus dem Umfeld des Sportvereins bestätigte, dass die Plätze aktuell knapp wären und damit die Aussage der Stadt. Bei der Veranstaltung kamen aber auch Stimmen auf, die dies in Frage stellten. Faktisch muss man aber sagen, dass diese große Lösung vom Tisch ist.

Die Erweiterung der Ladenfläche am gleichen Standort kann nur erfolgen, wenn man ein Wohngebäude hinter dem Laden abreist und dann den Laden erweitert. Dies bedeutet aber eben auch den Verlust von genutzten Wohnungen. Menschen müssten dafür „umgezogen werden“. Dies ist nicht unproblematisch und sicherlich auch keine schöne Lösung.

In der WAZ war noch eine Lösung eingebracht worden: Das Berufskolleg in der Region könnte doch einem Laden weichen. Auch hier also ein Vertreiben von Schülerinnen und Schülern. Ob dies inhaltlich, aber auch rechtlich möglich ist, wird noch zu klären sein. Schuldezernent Beck weckte in der Versammlung aber nicht viele Hoffnungen dafür.

Man sieht: Eine einfache Lösung gibt es ganz einfach nicht. Es mag immer etwas für die ein oder andere Lösung sprechen, aber auch immer einiges dagegen und irgendjemand würde immer darunter leiden. Das macht Politik dann auch nicht leichter 🙂

Problemfeld 3: Fersenbruch

Ein weiteres Problem, was an dem Abend aufkam, war natürlich auch die Bedeutung dieses Ladens für den Fersenbruch. Ein solcher Lebensmittelmarkt ist natürlich ein Anziehungspunkt für Menschen, die dann auch auf dem Markt oder in benachbarten Geschäften einkaufen. Eine Verlagerung zu weit entfernt könnte damit auch den Kern des Stadtteils befährden.

Ich wohne nicht in Heßler, von daher mag man mir verzeiehen, wenn ich dies nicht im Detail ausführen kann, aber ich denke das Problem kann ich mir dennoch vorstellen und diese Fragestellung sollte man bei allen Diskussionen nicht ganz aus dem Auge verlieren.

Kein Fazit

Der Abend konnte keine Lösung finden. Das sollte er auch nicht. Er sollte die Fakten darlegen und den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bringen sich einzubringen und zu informieren. Ob man soetwas seitens der Stadt hätte früher durchführen können, kann und mag ich jetzt noch nicht sagen, aber eins ist mir deutlich geworden:

Es steht eine enorme Baustelle dort an. Ich werde hier weiter darüber berichten, auch abseits der Berichterstattungen aus der Bezirksvertretung oder dem Wirtschaftsausschuss, in dem die CDU dies meines Wissens besprechen will.

Langfristige Problemlösung

Was mir aber an dem Abend nochmal deutlich wurde: Wir müssen abseits einer kurzfristigen Lösung auch mittel- und langfristig denken. Schon beim CARE-Kauf im Tossehof zeigte sich, dass die „Bonsumme“ das Problem ist. Wenn immer weniger in lokalen Lebensmittelläden eingekauft wird und mehr beim Großeinkauf mit dem Auto ist es für diese Läden natürlich schwerer über die Runden zu kommen. Das Einkaufsverhalten ändert sich aber eben und ob es nochmal einen Trend in die andere Richtung gibt, wäre maximal Spekulation.

Es ist darum zu diskutieren, ob man – egal welche Lösung man findet – nicht auch in den nächsten Jahren immer wieder in der Stadtplanung überlegt, wie man im Stadtteilzentrum vielleicht auch Möglichkeiten für einen größeren Laden finden kann.

 

IKEA vom Tisch?

IKEA vom Tisch?

Gerade bin ich eher zufällig über einen Artikel im Essener Lokalteil von derWesten gestoßen, in dem es heißt „Ikea bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit in Essen…“. Neben Fragen, wie es mit der aktuellen Fläche in der Innenstadt weitergeht und einer genaueren Beschreibung der geplanten Fläche heißt es weiter:

Am neuen Standort stehen Ikea gut 23 000 Quadratmeter Nettoverkaufsfläche zur Verfügung gegenüber 13 000 jetzt. Weil Ikea gerne in Essen bleiben möchte, sei man auch kompromissbereit, was die Beschränkung des Sortiments angeht, an der sich auch künftig nichts ändern soll. Settergren: „Die Verhandlungen sind noch nicht beendet, aber wir sind optimistisch.“

In Gelsenkirchen gab es auch Interesse an einigen Flächen, die aber wegen Förderungen nicht passend erschienen und aufgrund des Schutzes der Innenstädte eben auch die Sortimentswünsche problematisch waren. (Weitere Artikel dazu hier)

Offiziell aus Gelsenkirchener Sicht gibt es natürlich nicht, aber ich denke, dass ein Markt in Gelsenkirchen damit vom Tisch sein sollte. Ehrlich gesagt habe ich mich aber auch gefragt (oder das irgendwo gelesen?) ob IKEA mit den Anfragen in anderen Städten nicht nur die Verhandlungssituation in Essen verbessern wollte. Ob ein „Ja, und“ wie die CDU es im letzten Ausschuss für Wirtschaftsförderung angedeutet hatte, an dieser Entscheidung irgendwas geändert hätte, wage ich deshalb einfach mal zu bezweifeln.