Schalke, Putin und der Sport

[message type=“info“]Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf meinem privaten Blog PatJe.de und wurde am 26.07.2015 hier her transferiert. Grund war die nachträgliche Aufteilung in politisches und unpolitisches Blog.[/message]

Nun wird ein Aushängeschild der Stadt vielleicht bald auch für schöne Fotos mit dem russischen Präsidenten bereit stehen? Zumindest deutet die momentane Debatte ein wenig in die Richtung. Mir geht es aber um etwas grundsätzlicheres. In dem Artikel bei derWesten wird Tönnies mit folgenden Worten zitiert:

Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld.

Diese Position findet man ja immer öfter. Ob nun Weltmeisterschaften, die mit unwürdigen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, Olympische Spiele, bei denen Homosexuelle diskriminiert werden, Formel 1 Rennen, die über die Rennstrecke nicht hinaus gucken und mehr. Sport ist Sport, Politik ist Politik, so zieht man sich aus der Affäre.

Dabei ist das natürlich Schwachsinn. Wenn ich ein Sportereignis in einem Land durchführe, ist das bereits Politik – Wirtschaftspolitik. Tourismus wird gefördert, der Politik dieses Landes die Möglichkeit gegeben sich gut zu präsentieren. Das wussten bereits die Nazis in den 30er Jahren bei den olympischen Spielen in Berlin.

Und es geht um Verantwortung, die man als Sportfunktionär dann trägt. Ob nun direkt, weil der Ausbau der Stadien für die Fussball WM eben genau mit dieser zu tun hat oder indirekt, weil man jemandem die Möglichkeit gibt, sich zu präsentieren. Und natürlich geht es um Geld, viel Geld. Bei Schalke vielleicht „nur“ 15 Millionen pro Jahr, aber bei den anderen ganz unpolitischen Veranstaltungen ist dies viel, viel mehr.

Und darum ist Politik das Spielfeld von allen Personen öffentlichen Interesses – ob nun Sportler, Filmstars oder eben Politikern.

[Update 25.04. 9:05 Uhr] Es scheint, als habe sich der Besuch von Schalke in Russland erstmal erledigt. Tönis sagt laut WDR, dass ein Besuch momentan nicht angesagt sei.

Pöller sind Geschichte

Pöller sind Geschichte

Manchmal ist es auch gut, wenn etwas teurer wird. Zumindest, wenn man dann vernünftig reagiert. Ende letzten Jahres wurde beschlossen für den Platz vor dem Hans-Sachs-Haus neue Pöller zu bestellen. Die alten waren zwar erst kurz davor aufgestellt worden, um wildes Parken zu verhindern, aber dann kam man auf die Idee, dass leuchtende Pöller besser wären. Man ist in dem Fall CDU und SPD im Bau- und Verkehrsausschuss. In der Bezirksvertretung war der Vorschlag ohne Abstimmung einfach durchgelaufen – aber auch mit gewissem Misstrauen gegen dieses Vorhaben.

Grund für die Kritik: Die Aufrüstung beinhaltet einen komplett neuen Aufriss des Platzes und würde – nach damaligem Stand – ca. 54.00 Euro kosten. Dennis Melerski hatte für die GRÜNEN diese „Modernisierung“ bereits früh kritisiert. Diese 54.000 Euro sollten im besten Fall zum Teil von der Bezirksregierung getragen werden. „Nur“ 10.800 Euro hätte die Stadt dann für etwas mehr Licht gezahlt. Um Sicherheit geht es jedenfalls nicht, denn der Platz ist bisher gut ausgeleuchtet. Nun, die Bezirksregierung sagte die Zusage ab, aber das war noch kein Grund, auch das Projekt abzusagen.

Nun kam aber eine neue Schätzung: 100.000 Euro würden die Pöller nach einem neuen Gutachten kosten. Und da kam endlich die Besinnung: 100.000 Euro für eine Spielerei war dann auch der SPD zu viel, so dass das Projekt nun gestoppt ist. Ich bin ganz froh, dass die Preissteigerung kam. Diese Stadt kann 54.000 Euro gut woanders gebrauchen – und selbst 10.800 Euro wären an der Stelle zuviel gewesen.

Pöller am Hans-Sachs-Haus

Pöller am Hans-Sachs-Haus

Kirchensteuer oder Kulturabgabe?

Bei den GRÜNEN ist durch das Papier “Der Geist Gottes wohnt in uns” [PDF] eine Diskussion über die Kirchensteuer aufgekommen. Ob es wirklich eine Diskussion gibt, kann ich dabei nichtmal sagen, jedenfalls gab es einige Twitter und Facebook Einträge dazu und einen Artikel in der Welt, in dem gleich verallgemeinert wurde: “Grüne wollen Kirchen-Austritte per Steuer bremsen”. Also schreib ich jetzt einfach auch was dazu 🙂

Zunächst zu den Fakten: Es sind neun GRÜNE, die das Papier unterschrieben haben, darunter drei Bundestagsabgeordnete, also von den GRÜNEN in ihrer Gesamtheit ist dieses Papier weit entfernt. Es ist aber auch ein Grundsatzpapier zur katholischen Kirche gerade im Hinblick auf den aktuell stattfindenden Kirchentag, bei dem diese Frage nur am Rande auftaucht:

Ist es sinnvoll zuzuschauen, dass viele Menschen wegen der Kirchensteuer aus unserer Kirche austreten? Wir meinen, es ist auch aus der Perspektive unserer Kirche richtig, einen Reformweg zu beschreiten, der sich am italienischen Vorbild einer „Kulturabgabe“ orientiert, welche alle Menschen an eine gemeinnützige Institution ihrer Wahl entrichten.

Die Kirchensteuer soll nach diesem Modell offensichtlich in eine generelle Kulturabgabe umgewandelt werden, die dann den Kirchen aber auch anderen Organisationen zugewiesen werden kann – hierüber soll der Steuerzahler dann meines Wissens entscheiden.

Nachdem die Fakten meines Erachtens geklärt sind mal meine Ansicht dazu: Ich halte davon nichts. Und das aus einem einfachen Grund: Mit einer solchen Abgabe würde aus der Kirchensteuer eine wirkliche Steuer. Momentan ist es ja quasi ein Mitgliedsbeitrag, den die Mitglieder der Kirche per Einkommenssteuererklärung überweisen.

Es ist demnach richtig, dass der Staat den Einzug übernimmt, aber er bekommt von den Einnahmen auch im Schnitt 3 Prozent [[1. Je nach Bundesland verschieden, siehe Wikipedia]] als Aufwandsentschädigung. Dies sind mindestens 270.000 Euro [[2. Nach Zahlen von 2007 für die evangelische und katholische Kirche geschätzt, Quelle ebenfalls Wikipedia]]. Ich denke mal die Kosten dürften damit gedeckt sein.

Natürlich kann man darüber streiten, ob der Staat diesen Service für die Kirchen anbieten kann – dies wird während der Debatte auch von GRÜNEN betrieben – aber ich halte dies nicht für notwendig. Er ist ja auch nicht alleine an die beiden großen christlichen Kirchen gebunden, sondern auch andere christliche und jüdische Gemeinden werden so bedacht. [[3. Auflistung siehe Wikipedia]]

Eine Umwandlung in eine Kulturabgabe würde den “Mitgliedsbeitrag” aber in eine reguläre Steuer umwandeln und damit seines Charakters nehmen. Und es wäre auch unfair anderen Vereinen gegenüber. Ich bin bei Amnesty International – sollten alle, die dies nicht sind eine Menschenrechtsabgabe bezahlen? Oder eine Umweltabgabe, die nicht bei Greenpeace, BUND oder anderen Organisationen sind?

Eine solche Abgabe würde glaube ich Kirchenaustritte nicht wirklich verändern, weil man mit einer grundsätzlichen Abkehr von der Kirche zu tun hat, bei der die Kirchensteuer dann der Auslöser ist, seinen Austritt zu vollziehen – in anderer Hinsicht fällt die Kirche Unzufriedenen in ihrem Alltag ja nicht wirklich auf. Dieser Abkehr von der Kirche zu begegnen ist eine schwierige Frage, der sich die Kirche – wie im übrigen aber auch viele andere gesellschaftliche Gruppen – stellen muss. Wer jetzt von mir schlaue Ratschläge dazu erwartet, den muss ich leider enttäuschen, dies übersteigt dann doch meine Kompetenzen. 🙂