Rückblick auf Hamburg

Auf dem Rückweg aus Hamburg. Gestern im Zug hatte ich noch einen Artikel geschrieben, der eher mein Unverständnis über das Eingreifen bei der Demo am Abend vorher deutlich machen sollte und selbst diesen musste ich nochmal komplett überarbeiten, weil nach den Bildern der Nacht zuvor der Fokus natürlich stärker auf die Randalierer gerutscht ist und man sich schnell dem Verdacht aussetzt, diese zu unterstützen, wenn man die Polizei kritisiert.

Das hat sich natürlich in der letzten Nacht noch verstärkt, aber mit den Ereignissen im Schanzenviertel sollte auch dem letzten eins deutlich geworden sein: Dieses Handeln hat nichts mehr mit Politik, mit Kapitalismuskritik oder ähnlichen linken Positionen zu tun, sondern nur mit der Lust an der Gewalt und vielleicht sogar ganz im Gegenteil Bereicherung. Bei letztem bezweifle ich nämlich ganz ausdrücklich, dass das Plündern aus Geschäften oder Geldautomaten in irgendeiner Art und Weise wie bei Robin Hood den Armen zugute kommen sollte. (Was natürlich auch keine Entschuldigung wäre.) Wir haben es mit Gewalttätern, Kriminellen und Verbrechern zu tun, die gefasst und verurteilt werden müssen. Solidarität ist da absolut fehl am Platz. Es handelt sich um Aggressionsgestörte, die sich politische Proteste wie eben den G20 Gipfel zu einem ähnlichen Anlass nehmen, wie Hooligans es bei Fußballspielen machen.

Demoschild: Chaoten schämt euch!

Und die Polizei? Natürlich ist ihr zunächst zu danken und ihre Leistung anzuerkennen. Aber das bedeutet nicht kritiklos zu werden und die Augen zu verschließen. Man liest gerne bei jedem Punkt der Kritik nicht nur die Anschuldigung die linken Gewalttäter zu unterstützen, sondern auch, dass dies die Situation so erfordere. Mal abgesehen davon, dass der größte Teil der Stadt kein „Bürgerkriegsgebiet“ war und die Anarchie nur in einem Stadtteil stattgefunden hat, ist die Polizei ist der Garant unserer Grundrechte. Ich schätze sie dafür, dass sie unsere Rechte schützt, sich dafür leider oft zwischen die Fronten begeben muss und die Ordnung in Deutschland sichern soll.

Dazu muss sie sich aber eben auch an das Recht halten und tut dies ja in der Regel auch. Aber getreu dem Spiderman Motto, dass aus großer Macht auch große Verantwortung erfolgt, muss es zu jedem Zeitpunkt auch erlaubt sein nachzufragen, ob bestimmte Aktionen notwendig und zielführend seien und auch zu kritisieren, wenn man beispielsweise die Festsetzung eines komplettes Buses der Falken als Einschränkung der Demonstrationsfreiheit ansieht.

Ich wollte eigentlich gar nicht soviel über die Polizei schreiben und irgendwie ist das auch eine Ergänzung des schwarz-weiß Themas von gestern, aber ist mir gerade nochmal begegnet. Und trotzdem – hoffentlich abschließend – ein letzter Gedanke: Polizisten sind auch nur Menschen hat die Berliner Polizei nach dem „Party-Polizisten-Skandal“ geschrieben und das stimmt. Die Arbeitsbelastung ist generell schon hoch und momentan sicherlich so, wie sich das kaum jemand von uns vorstellen kann. Ich möchte weder mit ihnen noch Angehörigen tauschen. Von daher nochmal großer Respekt und Dank an die Polizei, ob im Hamburg an der Schanze oder in Gelsenkirchen auf Streife oder wo auch immer. Aber so zu tun, als gäbe es Fehler in der Polizei nur bei der Freizeitgestaltung bei Großeinsätzen am Abend ist eben auch falsch. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Diese sollte man auch ansprechen können ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen (was ich jetzt sehr lange getan habe :D).

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.